Bürgerwissenschaften

Radeln, forschen, Donau entdecken bei der zweiten Forschungsradtour des Ulmer Netzwerks für Bürgerwissenschaften

Vom 31. August bis 4. September 2026 machen wir uns mit einer Truppe von knapp 15 Personen vom Ulmer Netzwerk für Bürgerwissenschaften mit dem Fahrrad auf den Weg. Nach unserer Tour von Passau nach Wien im vergangenen Jahr geht es diesmal von Donaueschingen, traditionell als Donauquelle bekannt, bis vor die eigene Haustür nach Ulm. Rund 260 Kilometer liegen vor uns: durch das Obere Donautal, mit einem Abstecher zum Federsee und weiter durch das Blautal.

Dabei geht es nicht nur ums Ankommen. Die Landschaften entlang der Strecke sind für uns Forschungsräume: Wir untersuchen die Artenvielfalt, nehmen die Wasserqualität der Donau in den Blick und dokumentieren die Qualität der Radwege.


Artenvielfalt: Pflanzen bestimmen, dokumentieren und verstehen

Ein Schwerpunkt unserer Tour ist die Biodiversität entlang der Donau. Wir erfassen Pflanzenbestände am Ufer und in angrenzenden Landschaftsräumen. Dafür kombinieren wir hochaufgelöste Drohnenbilder mit digitalen Bestimmungs-Apps wie Pl@ntNet und iNaturalist.

Der Ansatz wurde zuvor auf Wiesen des Botanischen Gartens der Universität Ulm getestet und wird nun an ausgewählten Standorten entlang der Route angewendet. Uns interessiert: Welche Pflanzenarten kommen vor? Wo wachsen sie? Und wie häufig treten sie auf?

Solche Daten helfen dabei, Lebensräume genauer zu beschreiben, Veränderungen sichtbar zu machen und Naturschutzmaßnahmen fachlich einzuordnen.


Wasserqualität: Messungen direkt an der Donau

Auch die Donau selbst wird untersucht. An der Technischen Hochschule Ulm wurde ein mobiles Messsystem entwickelt, mit dem sich die Wasserqualität offener Gewässer erfassen lässt.

Während der Tour messen wir unter anderem:

  • Sauerstoffsättigung
  • Trübung
  • Nitratgehalt
  • Leitfähigkeit

Zusätzlich entnehmen wir Wasserproben, die anschließend an der THU auf Schwebstoffe und Partikel untersucht werden. Ergänzend kommt ein Gewässergüte-Koffer zum Einsatz. Damit bestimmen wir gemeinsam Werte wie pH-Wert, Ammonium, Nitrat, Nitrit und Phosphat.

So entstehen vergleichbare Daten zu verschiedenen Gewässerabschnitten. Sie können Hinweise auf Unterschiede in der Wasserqualität und mögliche Belastungen geben.


Radwegqualität: Forschung direkt vom Sattel aus

Weil wir mit dem Fahrrad unterwegs sind, wird auch der Weg selbst Teil unserer Forschung. Mit dem Cycling Quality Index (CQI) und der App StreetComplete dokumentieren wir die Qualität des Donauradwegs direkt unterwegs.

Erfasst werden zum Beispiel:

  • Wegbreite
  • Oberflächenbeschaffenheit
  • Schlaglöcher
  • Beschilderung

Die Daten fließen in das freie Kartenprojekt OpenStreetMap ein und werden unter cqi.temporaerhaus.de visualisiert. Damit können die Ergebnisse sowohl Radfahrenden als auch kommunalen Planer:innen zugutekommen.


Bürgerwissenschaftlich forschen: gemeinsam unterwegs, gemeinsam lernen

Auf unserer Forschungsradtour wird bürgerwissenschaftlich geforscht. Das bedeutet: Interessierte Bürger:innen forschen gemeinsam mit Fachleuten. Wir entwickeln Fragen, erheben Daten, werten Ergebnisse aus und diskutieren Beobachtungen auf Augenhöhe.

Der gemeinsame Forschungsprozess ist dabei genauso wichtig wie die wissenschaftlichen Ergebnisse. Unterwegs suchen wir außerdem den Austausch mit anderen Citizen-Science-Akteur:innen in der Region. Geplant sind Begegnungen mit Aktiven aus den Bereichen Archäologie und Botanik.

Auch Begegnungen mit anderen Radler:innen sind ausdrücklich erwünscht. Neugierde ist willkommen, wir laden ein, uns unterwegs Fragen zu stellen, ein Stück mit uns radeln und mitzuforschen!


Wer ist beteiligt?

Getragen wird die Forschungsradtour vom Ulmer Netzwerk für Bürgerwissenschaften. Beteiligt sind:

  • die Technische Hochschule Ulm (THU)
  • der Botanische Garten der Universität Ulm
  • das Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Universität Ulm
  • der Fahrradclub ADFC Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau-Kreis
  • interessierte Bürger:innen aus Ulm und Umgebung

Das Vorhaben wird von der Hans-Sauer-Stiftung im Rahmen von „Ulm forscht gemeinsam“ gefördert.


Begleitet uns unterwegs

Während der Tour teilen wir Eindrücke, Forschungsergebnisse und Begegnungen hier auf dem Blog von buergerwissenschaft-ulm.de und auf Instagram:

@ulm.forscht.gemeinsam