Bürgerwissenschaften

Von der Quelle nach Hause: 260 Kilometer Forschung auf dem Rad

Fünf Tage, 13 Menschen, drei Forschungsthemen und 260 Kilometer auf dem Fahrrad: Vom 31. August bis 4. September war das Ulmer Netzwerk für Bürgerwissenschaften von Donaueschingen nach Ulm unterwegs – mit einem Abstecher an den Federsee, viel Begeisterung für Natur und Technik und bestem Radwetter.

Schon von weitem ist die Gruppe gut zu erkennen an den grünen Westen (Foto: ADFC)

Von Montag bis Freitag führte die zweite Forschungsradtour des Ulmer Netzwerks für Bürgerwissenschaften von Donaueschingen nach Ulm. 13 Personen waren dabei, im Alter von Mitte 20 bis Ende 60: Bürger:innen aus Ulm und Umgebung sowie Vertreter:innen der Technischen Hochschule Ulm, des Botanischen Gartens der Universität Ulm, des ZAWiW und des ADFC Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau-Kreis. Jede und jeder brachte eigene Interessen und Stärken ein. Auch das Wetter spielte mit: die ganze Woche kein Regen, viel Sonnenschein – und trotzdem nie zu heiß zum Radeln und Forschen.

Das Programm war in diesem Jahr besonders ambitioniert. Jeden Morgen brach die Gruppe früh auf, tagsüber wurde geradelt, gemessen und beobachtet, abends bis in die späten Stunden analysiert und diskutiert. Geforscht wurde an drei Themen: der Wasserqualität, der Artenvielfalt und der Qualität der Radwege.

Wasserprobe an der Donauquelle (Foto: ADFC)

Die erste Wasserprobe wurde direkt am Donauquelltopf gezogen. Danach ging es mit zwei bis drei Proben pro Tag weiter, meist entnommen von Brücken entlang der Strecke. Direkt vor Ort erfolgte mit Hilfe von Sensoren der THU die Messung von Eigenschaften wie Sauerstoffsättigung, Trübung, Nitratgehalt und Leitfähigkeit. Abends wurden die Proben chemisch untersucht: pH-Wert, Ammonium, Nitrat, Nitrit und Phosphat. Mit großem Engagement beteiligten sich die mitfahrenden Bürger:innen an den Analysen, angeleitet vom Team des Botanischen Gartens.

Die Artenvielfalt erforschten wir mit einem neu entwickelten Verfahren. Eine Drohne der THU überflog ausgewählte Wiesen. Anschließend ging die Gruppe auf dieselben Flächen und kartierte mit der App iNaturalist, welche Arten dort vorkommen. So wurden technische Erfassung aus der Luft und Beobachtungen am Boden miteinander verbunden.

Was wächst denn hier? Die Gruppe kartiert Artenvielfalt im Feld (Foto: THU)

Auch die Radwege selbst wurden Teil der Forschung. Mit der App StreetComplete dokumentierten die Radler:innen, allen voran natürlich die Vertreter:innen des ADFC, unterwegs die Qualität der Wege – praktisch vor allem in Pausen oder bei kurzen Stopps.

Neben den Messungen und Beobachtungen blieb Zeit für besondere Orte entlang der Strecke. Im ehemaligen Kloster Inzigkofen führte Thomas Walter, Professor der THU die Gruppe durch die Geschichte der Anlage und ihre heutige Nutzung als Bildungsstätte. Besonders lebendig wurde der Besuch dadurch, dass er selbst aus Inzigkofen stammt und den Ort seit seiner Kindheit kennt. Im angrenzenden Fürstlichen Park ging es anschließend zu Fuß über mehrere Brücken – darunter eine gehörig quietschende Hängebrücke – vorbei an eindrucksvollen Felsformationen im Donautal.

Auf der Heuneburg, heute Freilichtmuseum mit rekonstruierter Befestigung samt der berühmten Lehmziegelmauer ging es um das Leben in der frühkeltischen Siedlung und um die Geschichte des Bierbrauens.

Im Vogelparadies: Die Forschungsradgruppe mit Dr. Katrin Fritzsch vom NABU (Foto: privat)

Am Federsee führte Dr. Katrin Fritzsch vom NABU durch das Naturschutzgebiet und erklärte die besondere Artenvielfalt und Lebensweise vor Ort. Dort diskutierte die Gruppe gemeinsam eine Wasserprobe direkt am Ufer. Im Federseemuseum in Bad Buchau standen anschließend eine rekonstruierte Behausung und ein sehr altes Holzrad im Mittelpunkt. Schließlich bildete die Entdeckung des Rades die Grundlage für unser eigenes Transportmittel auf dieser Tour.

Die letzte Nacht verbrachte die Gruppe im Kloster Obermarchtal, bevor am Freitag die Schlussetappe nach Ulm folgte.

Jetzt sind wir gespannt, was die gesammelten Daten am Ende zeigen werden – und träumen schon von der nächsten Forschungsradtour im kommenden Jahr.