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Irène Joliot-Curie (1897–1956) – Nobelpreisträgerin Chemie 1935

Irène und Marie Curie, 1925
Irène und Marie Curie, 1925

Irène war die älteste Tochter der berühmten Marie Curie und in gewisser Weise ihr Ebenbild. Ernsthaft, introvertiert, begeistert von naturwissenschaftlichen Fragen, diszipliniert und ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit, setzte sie die Arbeit ihrer Eltern an der Erforschung der Radioaktivität fort. Und leider starb sie auch wie ihre Mutter an Leukämie.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Frédéric Joliot gewann sie 1935 den Nobelpreis für Chemie, für die Entdeckung der künstlichen Radioaktivität.

Ihr Weg in die Wissenschaften

Durch den frühen Tod ihres Vaters, wuchs sie hauptsächlich bei ihrem Großvater Eugène auf, der ihr die Liebe zur Natur, zur Poesie und Politik beibrachte. Unterrichtet wurde die hochbegabte Tochter zunächst von befreundeten Wissenschaftlern und ihrer Mutter. Mit 16 Jahren machte sie ein hervorragendes Abitur und begann mit 17 ihr Mathematik- und Physikstudium an der Sorbonne. Nebenbei half sie Marie beim Aufbau von mobilen Röntgenstationen, mit denen vielen Soldaten des Ersten Weltkrieges das Leben gerettet wurde. Mit Anfang 20 nahm sie an dem von Marie Curie geleiteten Radiuminstitut in Paris ihre Forschungsarbeit auf, fünf Jahre später veröffentlichte sie ihre Dissertation über die Alphastrahlung des (hochgiftigen) Poloniums.

An diesem Institut lernte sie auch ihren späteren Mann, den Physiker Frédéric Joliot kennen. Es wurde eine produktive und intensive Ehe und Arbeitsgemeinschaft.

Irène und ihr Mann in ihrem Labor, 1935
Irène und ihr Mann in ihrem Labor, 1935

Entdeckung der künstlichen Radioaktivität

Im Januar 1934 gelang dem Ehepaar eine spektakuläre Entdeckung: „Unsere jüngsten Experimente haben eine sehr überraschende Tatsache gezeigt: Wenn eine Aluminiumfolie bestrahlt wird, hört die Emission nicht sofort auf: Die Folie bleibt radioaktiv.“

Die beiden hatten die künstliche Radioaktivität entdeckt. Sie hatten gewöhnliches Aluminium mit Heliumkernen bestrahlt und dabei eine radioaktive Substanz erzeugt, eine bestimmte Art von Phosphor. Ein folgenreiches Experiment, letztlich führte es vier Jahre später zur Entdeckung der Kernspaltung. Diese Entdeckung bescherte dem Forscherehepaar 1935 den Nobelpreis für Chemie. Allerdings befürchteten beide den militärischen Missbrauch ihrer Forschung und schlossen deshalb ihre Unterlagen in einem Tresor ein.

„Es ist nicht der militärische oder industrielle Wert der Atomenergie, der am meisten verspricht. Der unmittelbare Nutzen der Kernenergie liegt in ihrer Anwendung in der Medizin und in der Verwendung von Atommeilern für die Herstellung lebensrettender Isotope.“

Solche radioaktiven Isotope dienen bis heute zur Diagnose und Behandlung von Krebs.

Das Ehepaar Joliot-Curie, 1940er
Das Ehepaar Joliot-Curie, 1940er

Politisches Engagement

Nachdem beide 1935 den Nobelpreis erhalten hatten, wandte sich Irène Joliot-Curie verstärkt der Politik zu – eher ungewöhnlich in Frankreich, wo Frauen zu der Zeit nicht einmal wählen durften. Im Juni 1936 trat sie als Staatssekretärin für Wissenschaft in die Regierung ein – als erste Frau überhaupt. Allerdings nur für kurze Zeit, es gelang ihr nicht, im Amt etwas zu bewirken. Trotzdem blieb sie der Politik treu, war Mitglied im Weltfriedensrat und engagierte sich in der Friedensbewegung und für Frauenrechte.

1937 erhielt sie neben ihrer Arbeit im Radium-Institut, eine Professur an der Sorbonne. 1945 wurde das Paar mit der Leitung der neuen französischen Atombehörde und der Konstruktion des ersten Atommeilers in Frankreich betraut.

Bereits 1935 war Irène an Tuberkulose erkrankt, musste immer wieder ihre Arbeit wegen Sanatoriumsaufenthalten unterbrechen. 1956 starb die Physikerin und Chemikerin mit nur 58 Jahren an Leukämie, den Folgen ihrer Arbeit, bei der sie radioaktiver Strahlung meist ungeschützt ausgesetzt war.

Beide Kinder des Paares wurden übrigens ebenfalls Wissenschaftler: die Tochter Hélène Kernphysikerin, der Sohn Pierre Biochemiker.

Autorin: Andrea Brendel, Juni 2026

Quellen:

https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/irene-joliot-curie

https://www.deutschlandfunk.de/physikerin-irene-joliot-curie-politikerin-friedensaktivistin-100.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Ir%C3%A8ne_Joliot-Curie

Bilder:

Irène und Marie Curie, 1925. https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Ir%C3%A8ne_Joliot-Curie?uselang=de#/media/File:Irene_and_Marie_Curie_1925.jpg Von Autor/-in unbekannt – [1], CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32782285

Irène und ihr Mann in ihrem Labor, 1935. Von Agence de presse Meurisse – Bibliothèque nationale de France, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18367373

Irène Joliot-Curie, 1935. Von Nobel Foundation – http://nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/1935/joliot-curie-bio.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6224442