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Die Seele Schwedens – Selma Lagerlöf (1858-1940) – Literaturnobelpreis 1909

Selma Lagerlöf, 1909
Selma Lagerlöf, 1909

„Das größte Glück ist, an sich selbst zu glauben.“

Das fällt der dreizehnjährigen Schwedin Selma Lagerlöf noch schwer, denn sie leidet aufgrund ihrer Kinderlähmung an einem (leichten) Hinken, fühlt sich auf dem heimischen Gutshof Mårbacka im Zusammenspiel mit anderen oder auf Bällen wie eine Außenseiterin. Wie hätte sie ahnen können, dass sie einmal eine Schriftstellerin der Weltliteratur wird, 1909 als erste Frau den Literaturnobelpreis gewinnt und ihr Erstling „Gösta Berling“ zum meistgelesenen Buch in Schweden wird.

Der Weg in die Selbständigkeit

1858 wird Selma Lagerlöf in Värmland/Schweden auf dem Gutshof Mårbacka geboren. Sie wächst dort mit vier Geschwistern und den Sagen und Geschichten ihrer Heimat auf. Unterrichtet wird sie zunächst von einem Hauslehrer, später besucht sie ein Lehrerinnenseminar, gegen den Willen ihres Vaters. Die junge Selma will selbständig sein, arbeitet zunächst als Volksschullehrerin in Landskrona, schreibt aber schon Gedichte und Texte. Mit den ersten Kapiteln ihres Debütwerkes „Gösta Berling“ gewinnt sie 1890 einen Kurzgeschichtenwettbewerb. Dank der finanziellen Unterstützung einer Baronin, kann sie sich ein Jahr frei nehmen und „Gösta Berling“ beenden. 1895 ist es dann soweit, Selma gibt den Beruf der Lehrerin ganz auf und verwirklicht ihren Kindheitstraum: Schriftstellerin zu sein. Sie wird die erste Schriftstellerin Schwedens, die vom Schreiben leben kann.

Selma Lagerlöf
Selma Lagerlöf

„Was wäre aus mir geworden, wenn man meine Bücher nicht hätte lesen wollen?“

Wahrscheinlich wäre sie Lehrerin geblieben, aber dazu kommt es nicht, im Gegenteil. 1906 erscheint ihr bekanntestes Werk: „Nils Holgersson“. Die Geschichte um einen Jungen, der nur Unfug im Kopf hat, in ein Wichtelmännchen verwandelt wird und mit den Wildgänsen zieht, wird zu einem der beliebtesten Kinderbücher. Ein Erziehungs- und Entwicklungsroman und gleichzeitig ein liebevolles Porträt Schwedens, war dieses Buch eigentlich eine Auftragsarbeit für Schulen und sollte Kindern die Kultur und Landschaften Schwedens näher bringen.

Egal was sie schreibt, ob Romane wie „Jerusalem“, Novellen wie „Das Mädchen vom Moorhof“ oder Erzählungen wie „Geschichten von Trollen und Menschen“, Selma hat Erfolg, sie wird sozusagen die erste „Bestseller-Autorin“ der Welt. Ihr Grundthema: die schicksalsträchtige Verbindung von Mensch und Natur. Mit ihrem Hang zum Mystischen und Magischen, entsprechen ihre Werke so gar nicht dem vorherrschenden Realismus, aber gerade das spricht das Nobelpreiskomitee an: „Im Rhythmus ihrer Dichtkunst finden wir auf Schritt und Tritt das Echo dessen, was von altersher die Seele Schwedens bewegt hat, und das macht uns Selma Lagerlöf besonders teuer“, heißt es in der Begründung. 1909 erhält sie als erste Frau den Literaturnobelpreis. Fünf Jahre später wird sie Mitglied des Nobelkomitees.

Selma Lagerlöf, 1920
Selma Lagerlöf, 1920

Weltoffen und engagiert

Als Jugendliche hatte sie das bittere Gefühl, eine Landpomeranze zu sein, also reist sie nach der Veröffentlichung ihres ersten Buches mit ihrer Freundin und Geliebten Sophie Elkan durch Europa und Palästina.

Selma ist eine moderne und weltoffene Frau. Sie ist aufgeklärt, besitzt Unternehmergeist, ein Automobil und hört Radio. Bereits 1908 kauft sie das Gutshaus Mårbacka zurück, das ihre Familie aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben musste. Sie betreibt dort Landwirtschaft, lässt Hafermehl produzieren, baut das Gutshaus um und lebt ab 1923 dauerhaft dort. Was sie nicht daran hindert eine engagierte Politikerin, Pazifistin und Frauenrechtlerin zu sein. Sie kümmert sich um Unterdrückte und Bedürftige, kämpft für das Frauenwahlrecht und engagiert sich in der Kommunalpolitik.

1933 beteiligt sie sich an einem Komitee zur Rettung jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland und rettet so der jüdischen Dichterin Nelly Sachs das Leben.

Nach dem Nobelpreis

Neben dem Nobelpreis erhält Selma Lagerlöf noch viele Auszeichnungen: sie wird das erste weibliche Mitglied der „Schwedischen Akademie“ (1914), und erhält Ehrendoktorwürden der Universitäten Uppsala, Kiel und Greifswald.

Auch nach der Verleihung des Nobelpreises schreibt sie weitere wichtige Romane wie z.B. „Der Kaiser von Portugallien“. 1925-28 erscheint die dreibändige Löwensköld-Saga und ihr letztes Werk ist ihre Autobiographie, ebenfalls in drei Bänden. Zu einem vierten kommt es nicht mehr. 1940 stirbt Selma Lagerlöf auf ihrem geliebten Gut Mårbacka.

Autorin: Andrea Brendel, Mai 2026

Quellen:

https://www.ndr.de/kultur/buch/Selma-Lagerloef-die-Seele-Schwedens,lagerloef110.html

https://www.alliteratus.com/pdf/aut_vl_aut_lagerloef.pdf

http://www.dichterinnen.de/Lagerlof/

https://de.wikipedia.org/wiki/Selma_Lagerl%C3%B6f

Bilder:

Selma Lagerlöf, 1909. By https://www.nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/1909/lagerlof-facts.html, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=884058

Selma Lagerlöf, 1920. Alvin/Uppsala universitetsbibliotek, Public domain, via Wikimedia Commons. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Selma_Lagerl%C3%B6f_-_1920s.png

Selma Lagerlöf. By Jan de Meyere – https://digitalastadsmuseet.stockholm.se/fotoweb/archives/5021-Historiska-fotografier/Skiss/SSMJDM001298S.JPG.info, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=118033365